Sommer-Schluss-Verkauf in Griechenland – Wasser-Privatisierung

+++UPDATE; 29.05.: ES BLEIBT DABEI, TROIKA VERLANGT WASSERPRIVATISIERUNG:

http://www.griechenland-blog.gr/2013/05/troika-beharrt-auf-wasser-privatisierung-in-griechenland/13249/

Wenn der Insolvenzverwalter dreimal klingelt und der Schuldeneintreiber vor der Tür steht, geht es meistens an die Existenzgrundlage. Das Tafelsilber von Oma Erna muss schnellsten veräußert werden um Gläubiger bedienen zu können, denn frisches Geld muss her um den persönlichen Bankrott abwenden zu können.

Wie die finanzielle Lage in Griechenland ist, dass weiß mittlerweile wahrscheinlich selbst jedes Vorschulkind von nebenan. Die Präsenz des Themas steht wahrscheinlich sogar schon im Lehrplan jeder besseren Krabbelgruppe. Ein frühes Mitdiskutieren  und die deutsche Position zu kennen sind so wichtig, wie die ersten Schritte eines 14 Monate alten Kleinkindes unter den Applaus der Eltern.

Griechenland braucht Geld, Griechenland braucht einen Plan B. Um an neues Kapital zu kommen und um Rest-Europa etwas anbieten zu können, gibt es Bestrebungen der neuen politischen Führung, verschiedene staatliche Sektoren zu veräußern, darunter auch das staatliche Wassermonopol.

Eine Milch-Mädchen-Rechnung:

Die noch staatlichen Wasserleitungen, Wasserwerke und Rohrleitungssysteme an ein privates Unternehmen zu verkaufen bringt erst einmal viel Geld in die leere Staatskasse. Doch was passiert wenn man das öffentliche Gut in marktwirtschaftliche private Investoren Hände begibt, dass weiß man in England und Frankreich nur zu gut. Wenn die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht und nicht die Qualität des Leitungswasser, dann steigen die Kosten für die privaten Haushalte und die Qualität des Wasser nimmt deutlich ab.  So geschehen in den 80er Jahren in England und Frankreich. Die Preise stiegen um bis zu 450%, die Leitungen wurden marode, so dass Leitungswasser in einigen Regionen ungenießbar war. Die gefährlichen Legionellen und Bakterien im Wasser gehört damals ins Leitungswasser,  wie eine Glas Latte Macchiato zum morgendlichen Frühstück.

Sollte Griechenland seine Wassersysteme privatisieren, so ist dieses auch dort zu erwarten. Schnelles, frisches Kapital für den Staat, doch die Zeche zahlt irgendwann die Bevölkerung. Vielleicht in 7 Jahren, vielleicht erst in 11 Jahren. Es ist davon auszugehen, dass der private Investor nicht in die Rohrleitungssysteme oder die Wartung seiner Wasserwerke investieren wird, aber dennoch die Kosten für Leitungswasser und Abwasser rapide steigen werden. Schließlich muss man ja an die betriebswirschaftliche Bilanz des Unternehmens denken und d.h.: Möglichst schnell, möglichst viel Geld verdienen.

Das öffentliche Gut „Wasser“ sollte man nicht verkaufen, nicht für schnelles Geld, für gar nix. Wasser ist, wie die Luft zum Atmen, eine elementare Lebensgrundlage und sollte nicht zur Aufbesserung der Staatskasse dienen, egal wie groß die Not auch ist. Es muss Grenzen geben für die private Wirtschaft und eine Schmerzgrenze für die öffentlichen Kassen.

Wem der Blick zum Thema Wasser-Privatisierung nach England und Frankreich zu weit ist und zu weit hergeholt, der sollte sich bei google.de bedienen und folgende Schlagwörter ins Suchfeld eintippen: „Berlin, 13.02.2010, Volksentscheid, Wasserprivatisierung“    

Ein guten Überblick zum Thema Wasser-Privatisierung und die Konsequenzen dieser Machenschaften gibt der Film „Water makes money“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz.

Weiterführende Literatur zum Thema Wasserprivatisierung:

Brlow, Maude & Tony Clrke. (2002). Blaues Gold. Das globale Geschäft mit dem Wasser. München: Antje Kunstmann Verlag

Braunmühl, Claudia con. (2005). Water Goverance. Partizipation in der Wasserversorgung. NetWORKS

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