Stille Wasser sind lukrativ

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Stille Wasser sind lukrativ Gastpost von Steffen

Man stelle sich einmal ein möglichst klischeehaftes Bild von Afrika vor. Eine Savanne, in der hier und da mal ein Baum, welcher schön viel Schatten spendet, steht. Bunte Vögel, ein Zebra und in der unteren rechten Ecke eine Frau, welche einen 20 Liter Wasser Eimer auf dem Kopf spazieren trägt, den sie aus einem Brunnen, der einen Tagesmarsch von ihrem Heimatdorf entfernt liegt, geholt hat. Doch da kommt auf einmal die Europäische Union, ihres Zeichens frisch gebackener Friedensnobelpreisträger, um die Ecke: „Entschuldigen Sie einmal, gnädige Frau, wo haben sie denn dieses Wasser erworben?“ „Erworben?“, entgegnet die Frau vollkommen perplex, „Wasser ist ein Menschenrecht! Im Jahr 2010 legte Bolivien, unterstützt von 33 weiteren Staaten, einen entsprechenden Resolutionsentwurf bei der UN Hauptversammlung vor, welcher von der großen Mehrheit von 122 Staaten angenommen wurde!“ „Das ist in der Form grundsätzlich nicht falsch“, gibt die EU mit einem anerkennenden Lächeln zu „jedoch handelt es sich bei diesem Recht de Facto eher um ein symbolisches Solches.

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Schauen Sie mal, das von ihnen aufgeführte Recht ist leider nicht einklagbar, also sollte man, um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen, wohl eher von einer Willensbekundung sprechen.“ „Sie meinen, dass ich und meine Familie streng genommen überhaupt keinen rechtlichen Anspruch haben, Trinkwasser in einem Brunnen, der einen Tagesmarsch von unserem Heimatdorf entfernt liegt, zu holen?“ , fragt die sichtlich erschrockene Dame daraufhin nach. „Sie haben die Situation schnell erfasst, wie ich sehe. Laut einer erst kürzlich in Kraft getretenen Konzessionsrichtlinie unserer Wenigkeit ist eine Privatisierung der Wasservorkommen quasi beschlossene Sache. Zumal wir damit selbstverständlich nur der generellen Tendenz des Marktes folgen.“ „Sie wollen sich jetzt doch aber nicht etwa hinter einem Schweizer Großkonzern, zu dem weltweit alleine 73 eingetragene Marken im Bereich des frei verkäuflichen Trinkwassers und etliche weitere durch ein Joint-Venture mit einem amerikanischen Großkonzern anteilsmäßig gehören, verstecken, oder?“ fragt die Dame, welche inzwischen den Eimer vorsichtshalber mal abgestellt hat. „Sehen Sie,“ fährt die EU fort „es gibt ja verschiedene Ansichten in puncto Wasserprivatisierung. Einerseits gibt es natürlich die, dass Wasser ein Menschenrecht sei. Andererseits muss man natürlich auch die Sichtweise von hart arbeitenden Geschäftsleuten verstehen, welche Wasser als ein Konsumgut wie jedes andere betrachten und folglich den Markt dafür auch schützen möchten. Wenn wir jetzt ganz genau sind, haben Sie das Wasser, welches Sie mit sich führen, unrechtmäßig entwendet und könnten somit nun rechtlich belangt werden. Aber heute lassen wir mal fünfe gerade sein, wa…?“

Zur gleichen Zeit irgendwo auf dem indischen Subkontinent. „Schickt die Investoren fort, Wasserdiebstahl steht für Mord! Schickt die Investoren fort, Wasserdiebstahl steht für Mord!“ , skandieren aufgebrachte Demonstranten, die Wasser aus einem Brunnen nahe ihres Heimatdorfes holen wollten, der jedoch versiegte, da dass Grundwasser von industriellen Pumpen einer nahe gelegenen Fabrik für Wasseraufbereitung abgepumpt wurde. Der CEO der Marke, welche hier das Wasser anzapft und die zu den 73 Marken gehört, die durch eine Mehrheit an Anteilen dem bereits oben erwähnten Schweizer Großkonzern gehören, reagiert auf die lautstark vorgetragenen Beschuldigungen ein wenig ungehalten mit den Worten: „Halt Stop! Jetzt rede ich! Das Wasser ist sauber!“ Die Demonstranten scheinen sich daraufhin zu fragen, ob der Mann überhaupt weiß, worum es geht. „Habt ihr mal die Menge an Spielzeugen gesehen, die eure Kinder hier für den westlichen Absatzmarkt herstellen dürfen? Die Präsenz europäischer Großkonzerne sorgt hier für Arbeitsplätze!“ Danach ging der CEO erstmal Kaffee trinken, beruhigt hat er sich dabei jedoch nicht. Also stellte er mit einem abschließenden „Das bleibt alles so, wie es ist!“ , nebst dem Status Quo auch nochmal seine Eloquenz unter Beweis.

Währendessen im Ruhrpott: „Ey hömma, wat pichelst du denn da? Powerstoff mit Sauerstoff? Is klar! Weil man Sauerstoff auch durch die Ernährung zu sich nimmt, oder wat?“ „Ja ne, ich weiß, die atomare Zusammensetzung von Wasser besteht immer aus zwei Wasserstoffmolekülen und einem Sauerstoffmolekül und jetzt hömma auf, mich hier anzupesen!“ „Ja und warum trinkste dat dann? Mehr Sauerstoff bindeste damit nich an dat Hämoglobin, Kumpel.“ „Ja aber du, ne.“ „Ja wat, aber ich?“ „Ja trinkst hier Wasser der Marke, die nach dem deutschen Reichskanzler benannt wurde, mit dem man ansonsten noch Heringe und die Kongo-Konferenz verbindet.“ „Na und, hömma? Muss ja nich draufstehn, dasste davon mehr Schmackes kriechst, hömma.“ „Ja da is der Schweizer Großkonzern, der überall auf der Welt Trinkwasserbestände aufkauft, Mehrheitseigner! Die sind da aber richtig abgezuppt!“ „Hömma, wat ich hier für ne Plörre aufer Maloche pichel, da machst du ma hier nich son Bohei drum, wa?!“

Oder um es mal mit den Worten von Mos Def zu sagen: „You can laugh and take it as a joke, if you wanna/ but it don’t rain for four weeks some summers/ And it’s about to get real wild in the half/ you be buying Evian just to take a fuckin bath!“ Was will uns der Autor damit sagen? Zuerst mal kommen die Zeilen aus dem Song ‚New World Water‘, der aus dem Jahr 1999 stammt. Die Problematik der Wasserprivatisierung ist alles andere als neu, sie ist global und vor allen Dingen: Das geht echt gar nicht klar. Es gibt tatsächlich Länder, die das Recht auf Wasser in ihre Verfassung aufgenommen haben – international wirtschaftliche Schwergewichte wie Südafrika oder Ecuador. Daraus jedoch einen Teil der UN-Charta zu machen, ist ein sehr viel ambitionierteres Ziel. Also heißt es jetzt, die Ärmel hochzukrempeln und genau dieses Ziel anzugehen. Und wenn man das erreicht, gleich mit dem Recht auf Nahrung nachzulegen. Dann müsse multinationale Agrokonzerne auch nicht mehr Landstriche für symbolische Beträge in der Dritten Welt aufkaufen, um dort für Arbeitsplätze für die Bauern, die dort vorher Subsistenzwirtschaft betrieben haben, zu sorgen. Denn im Zweifelsfall sind auch Schweizer Großkonzerne nicht mächtiger als Ideen, deren Zeit gekommen ist.

Häh?! Nestle?! Wasserprivatisierung?! Check das Video hier mal: 

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Ein Kommentar zu “Stille Wasser sind lukrativ

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